„Das Märchen von der grünen Schlange und der schönen Lilie“

Religionslehrertagung, Samstag, 26. Mai 2018, 17 Uhr

von Johann Wolfgang von Goethe, Lesung von Barbara Stuten

An dem grossen Flusse, der eben von einem starken Regen geschwollen und übergetreten war, lag in seiner kleinen Hütte müde von der Anstrengung des Tages, der alte Fährmann und schlief. Mitten in der Nacht weckten ihn einige laute Stimmen, er hörte, dass Reisende übergesetzt sein wollten.

So beginnt „Das Märchen“ von Johann Wolfgang von Goethe aus dem Jahr 1795. Erschienen im Novellenzyklus „Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten“ zeigt „das Märchen“ in bildhafter Sprache, wie sich der Mensch in ein bewusstes und freies Verhältnis zur übersinnlichen Welt setzen kann. Die grüne Schlange, die schöne Lilie, der Alte mit der Lampe und seine Frau, zwei Irrlichter und geheimnisvolle Könige vereinen sich in grösster Not, um den traurigen Prinzen zu retten.

Dabei steht die schöne Lilie für die reine Seele, die frei von Verlangen ist, in der das Bewusstsein für die geistige Welt erwacht. Die grüne Schlange hingegen repräsentiert die tief unbewusste Seelenkraft.

Rudolf Steiner begründete 1900 in seinem Vortrag „Goethes geheime Offenbarung“ auf dem „Märchen“ basierend die Anthroposophie.

Barbara Stuten gelingt mit ihrer Lesung, die Zuhörer in ihren Bann zu ziehen, die Not zu empfinden und die Rettung des traurigen Prinzen zu ersehnen.